Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Uniklinik Bonn

Klumpfuß

Information: Die Ponseti-Methode zur Klumpfußbehandlung

lnformation für Eltern und Patienten

Übersicht

Was ist ein Klumpfuß?
Behandlungsbeginn
Gipspflege zuhause
Wöchentlich wird ein neuer Gips angelegt
Dauer der redressierenden Gipsbehandlung
Ende der aktiven Behandlung
Aufrechterhaltung der Korrektur durch eine Fuß-Abduktionsschiene
Trageanleitung für die Fuß-Abduktionsschiene
Tipps für die Abduktionsschiene
Langfristige Kontrollen
Was ist zu tun wenn ein Rezidiv auftritt
Der rigide Klumpfuß
Häufig gestellte Fragen?

Was ist ein Klumpfuß?

Der Klumpfuß ist die häufigste angeborene Deformität von Knochen und Gelenken. Er tritt bei etwa einem von 1000 Neugeborenen auf. Die Ursache für seine Entstehung ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich sind genetische Faktoren ursächlich und nicht Dinge, die die Eltern getan oder unterlassen haben. Es gibt deshalb keinen Grund für die Eltern von Kindern mit Klumpfüßen, sich schuldig zu fühlen oder sich Vorwürfe zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, ein weiteres Kind mit einem Klumpfuß zu bekommen, ist etwa 1 zu 30.

Eltern eines ansonsten gesunden Kindes mit einem Klumpfuß können insoweit beruhigt sein, dass ihr Kind, wenn es von einem Experten auf diesem Gebiet behandelt wird, einen ,,fast" normal aussehenden und normal funktionierenden Fuß haben wird. Ein gut behandelter Klumpfuß stellt keine Behinderung dar, und das Kind kann ein völlig normales aktives Leben führen - natürlich auch als Erwachsener.

Behandlungsbeginn

Die Behandlung sollte innerhalb der ersten 2 Lebenswochen begonnen werden, um die Elastizität des Gewebes in diesem Alter auszunutzen. Der Fuß wird jede Woche für etwa eine Minute sanft manipuliert, um die verkürzten, festen Bänder und Sehnen an der lnnenseite, der Fußsohle und der Rückseite des Fußes zu dehnen. Danach wird jeweils ein Gips, der von den Zehen bis zur Leiste reicht, angelegt. Der Gips hält dabei den Fuß in der durch die Manipulation erreichten Position. Dadurch entspannt sich das Gewebe bis zur nächsten Manipulation. Auf diese Art und Weise werden die falsch stehenden Knochen und Gelenke langsam in eine korrekte Position gebracht. Die Manipulation und das Anlegen der Gipse sind besser durchführbar, wenn das Kind bei der Behandlung ruhig ist. Daher ist es von Vorteil für die Behandlung, wenn lhr Kind dabei satt und zufrieden ist. Denken Sie also bitte daran, am Behandlungstag entsprechend zu stillen und ein Fläschchen mit Tee oder Nahrung dabei zu haben, um auch eventuell entstehende Wartezeiten überbrücken zu können.

Gipspflege zuhause

  1. Kontrollieren Sie die Durchblutung des Fußes jede Stunde für die ersten 5 Stunden nach Gipsanlage, danach 4 Mal pro Tag. Dazu drücken Sie sanft auf die Zehen und beobachten die Wiederkehr des Blutflusses. Die Zehen verfärben sich nach dem Drücken weiß und werden dann schnell wieder rosa, wenn die Durchblutung gut ist. Wenn die Zehen dunkel und kalt sind und nicht rosa werden, gehen Sie zu lhrem behandelnden Arzt beziehungsweise in eine Notaufnahme und lassen den Gips überprüfen.
  2. Beobachten Sie das Verhältnis vom Ende des Gipses zu den Zehenspitzen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Zehen ,,schrumpfen", ist das ein Zeichen dafür, dass der Gips gerutscht ist. Damit wird der korrekte Druck auf den Fuß nicht mehr gewährleistet, so dass Druckstellen auf der Haut entstehen können. Melden Sie sich sofort beim behandelnden Arzt, wenn Sie vermuten, dass der Gips verrutscht ist, denn dann muss der Gips gewechselt werden,
  3. Halten Sie den Gips sauber und trocken. Wenn der Gips schmutzig geworden ist, können Sie ihn mit einem leicht angefeuchteten Lappen abwischen.
  4. Bis der Gips hart und trocken ist (etwa 24 Stunden nach Anlage), sollte er auf einem Kissen gelagert werden. Wenn lhr Kind auf dem Rücken liegt, legen Sie ein Kissen unter das Gipsbein, so dass die Ferse gerade über das Kissen hinausragt. Dadurch vermeiden Sie einen erhöhten Druck auf die Ferse, der zu Hautschäden führen kann.
  5. Benutzen Sie Einmalwindeln und wechseln Sie diese häufig genug, um Verschmutzungen des Gipses zu vermeiden. Legen Sie die Windel so an, dass das obere Gipsende außerhalb der Windel ist, um das Eindringen von Stuhl oder Urin in den Gips zu vermeiden. Dafür sind Windeln mit elastischen Bündchen besonders geeignet.

Setzen Sie sich sofort mit uns in Verbindung, wenn Sie Folgendes feststellen:

  • üblen Geruch oder Sekretion aus dem Gips
  • gerötete, wunde oder irritierte Haut an den Enden des Gipses
  • schlechte Zehendurchblutung (s. oben unter Punkt 1)
  • Rutschen des Gipses (s. oben unter Punkt 2)
  • Fieber über 38,5°C ohne erklärbare Ursache wie Erkältung, Virusinfekt oder ähnliches

Wöchentlich wird ein neuer Gips angelegt

Der alte Gips wird dazu mit einer speziellen Zange, einem sogenannten Rabenschnabel, nicht mit einer Gipssäge, entfernt.

Dauer der redressierenden Gipsbehandlung

5 bis 7 Gipse (jeder als Oberschenkelgips mit Knie in 90'-Stellung) angelegt über einen Zeitraum von 5 bis 7 Wochen sollten reichen, um die Deformität zu korrigieren. Selbst sehr rigide Füße brauchen in der Regel nicht mehr als 8 oder 9 Gipse bis zum Erreichen der maximalen Korrektur. Röntgenbilder sind üblicherweise nicht notwendig, da die Position der Knochen und der Grad der Korrektur durch den Arzt getastet werden können.

Ende der aktiven Behandlung

ln den meisten Fällen ist nach der redressierenden Behandlung ein kleiner operativer Eingriff notwendig. Dieser wird im Operationssaal in Allgemeinnarkose unter sterilen Bedingungen durchgeführt. Dabei wird die Achillessehne perkutan d.h. mit einem kleinen Stich durch die Haut durchtrennt. Anschließend wird ein neuer Oberschenkelgips für ca. 4 Wochen angelegt. In dieser Zeit regeneriert sich die Sehne in der korrekten Länge und Stärke. Am Ende der Behandlung sollte der Fuß leicht überkorrigiert d.h ähnlich wie ein Knick-Senk-Fuß aussehen. Dieses wird sich in den folgenden Monaten normalisieren.

Aufrechterhaltung der Korrektur durch eine Fuß-Abduktionsschiene

Da der Klumpfuß eine Neigung zum Rezidiv - sprich zur Wiederkehr - hat, muss nach Abnahme des letzten Gipses eine Fuß-Abduktionsschiene getragen werden - egal ob eine Achillessehnenverlängerung stattgefunden hat oder nicht. Diese Schiene besteht aus schuhähnlichen Fußhalterungen, die auf einer justierbaren Metallschiene befestigt werden. Der Abstand zwischen den Schuhhalterungen entspricht in etwa dem Schulterabstand des Kindes. Der Schuh auf der Klumpfußseite wird in 70' Abduktion auf der Schiene befestigt, der Schuh auf der gesunden Seite (bei einseitigem Klumpfuß) in 50" Abduktion. Die Schiene ist für 3 Monate ständig d.h Tag und Nacht über 23 Stunden zu tragen und sollte nur zur Körperpflege abgenommen werden. Danach sollte sie bis zum Erreichen des 4. Lebensjahres immer nachts bzw. wenn das Kind schläft getragen werden. Während der ersten Nächte mit der neuen Schiene kann das Baby sich unwohl fühlen, weil es sich erst daran gewöhnen muss, dass die Füsse über die Schiene miteinander verbunden sind. Dennoch ist es sehr wichtig, dass die Schiene nicht abgenommen wird, weil dann ein Wiederauftreten der Klumpfußfehlstellung sehr wahrscheinlich ist. In den Phasen, in denen lhr Kind die Schiene nicht tragen muss, können normale Schuhe getragen werden.

Die Fuß-Abduktionsschiene wird erst verwendet, wenn die Klumpfußdeformität durch Manipulation und regelmäßige Gipswechsel sowie gegebenenfalls die Achillessehnenverlängerung vollständig korrigiert ist. Auch wenn eine gute Korrektur erreicht worden ist, hat ein Klumpfuß bis ungefähr zum 4. Lebensjahr die Tendenz wieder aufzutreten. Die einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, ist das regelmäßige Tragen der Abduktionsschiene. Damit lässt sich in 90% der Fälle ein Rezidiv vermeiden, Das Tragen der Schiene behindert die Entwicklung lhres Kindes bezüglich Sitzen, Krabbeln und Laufen nicht.

Trageanleitung für die Fuß-Abduktionsschiene

  1. Ziehen Sie lhrem Kind immer Baumwollstrümpfe an, die alle Teile des Fußes und des Unterschenkels bedecken, die mit dem Schienenschuh in Berührung kommen. Nach Abnahme des letzten Gipses kann die Haut lhres Kindes sehr empfindlich sein, so dass es sinnvoll sein kann, 2 Tage lang 2 Paar Strümpfe anzuziehen. Danach sollte nur noch ein Paar Strümpfe verwendet werden. Die Strümpfe sollten keine Stickereien (Nähte) aufweisen. Bei innenliegenden Nähten kann es sinnvoll sein, die Strümpfe auf links zu drehen. Achten Sie auf Falten, die Sie ggf. glatt ziehen müssen.
  2. Die Fußhalterungen können zunächst wie normale Schuhe angezogen werden. Achten Sie dabei immer darauf, dass sie nicht zu locker sitzen und dass die Ferse gut unten im Schuh steht.
  3. Verbinden Sie dann die Schuhe mit der Schiene durch den Klickmechanismus.
  4. Überprüfen Sie, ob die Ferse gut unten im Schuh sitzt, indem Sie das Bein hoch und runter bewegen. Wenn die Zehen sich dabei vor und zurück bewegen, ist d er Schuh zu locker und muss erneut festgeschnallt werden. Sie sollten mit einer Linie auf der lnnensohle die Position der Zehenspitzen im Schuh markieren. Wenn die Ferse gut im Schuh sitzt, befinden sich die Zehen an dieser Linie oder überragen sie.
  5. Sorgen Sie dafür, dass die Zehen alle gerade auf der lnnensohle aufliegen und nicht umgebogen sind oder übereinander stehen. Bis Sie sich dessen sicher sind, kann es hilfreich sein, von einem Paar Socken, die Zehenpartie abzuschneiden, damit Sie alle Zehen gut sehen können.
  6. Ziehen Sie die Fußhalterungen und Strümpfe mindesten zweimal täglich aus um keine entstehenden Druckstellen zu übersehen.

Tipps für die Abduktionsschiene

  1. Erwarten Sie für die ersten Tage ein unruhiges Kind in der Schiene. Dies liegt nicht daran, dass das Tragen der Schiene schmerzhaft wäre, sondern an der neuen und ungewohnten Situation.
  2. Spielen Sie mit lhrem Kind in der Schiene. Das ist der Schlüssel zum Überwinden der Unruhe, die durch die Unmöglichkeit, die Beine unabhängig voneinander bewegen zu können, entsteht. Lassen Sie Ihr Kind lernen, dass es die Beine mit der angelegten Schiene gleichzeitig bewegen kann, indem Sie sanft an der Schiene ziehen oder drücken um ein gleichzeitiges Strecken oder Beugen in den Kniegelenken zu erreichen.
  3. Machen Sie die Schiene zur Routine. Es fällt den Kindern leichter, wenn ihre Behandlung zur Routine im täglichen Leben wird. Während der 4 Jahre, die das Kind die Schiene während des Schlafens tragen soll, ziehen Sie ihm die Schiene jedes Mal an, wenn es an seinen ,,Schlafplatz" kommt. Dadurch wird das Kind wissen, dass zu dieser Tageszeit die Schiene getragen wird. Wenn es an solche routinemäßigen Abläufe gewöhnt ist, wird die Schienenbehandlung lhnen und lhrem Kind wenige Probleme machen.
  4. Eine leichte Hautrötung ist bei korrekter Benutzung der Schiene normal. Stark gerötete Stellen oder Blasen, insbesondere im Fersenbereich, sind üblicherweise ein Zeichen dafür, dass die Schuhe nicht eng genug sitzen. Stellen Sie sicher, dass die Ferse unten im Schuh bleibt. Wenn lhnen starke Rötungen oder Blasen auffallen, kontaktieren Sie lhren behandelnden Arzt.
  5. Wenn lhr Kind es schafft, sich zu ,,entfesseln", weil die Ferse nicht gut unten im Schuh steht, müssen Sie die Schuhe enger verschließen.
  6. Ziehen Sie gelegentlich die Schrauben an der Schiene nach.

Langfristige Kontrollen

Nach der vollständigen Korrektur des Klumpfußes werden bis zum Erreichen des 4. Lebensjahres Wiedervorstellungstermine im Abstand von 3 bis 4 Monaten vereinbart, danach seltener. Der Arzt wird in Abhängigkeit von der Schwere des Klumpfußes und von der Tendenz zum Rezidiv entscheiden, wie lange die Schienenbehandlung durchgeführt wird. Beenden Sie die Behandlung nicht frühzeitig selbst. Jährliche Wiedervorstellungen werden für die Dauer von 8 bis 10 Jahren vereinbart, um eventuelle Spätrezidive zu erkennen.

Was ist zu tun wenn ein Rezidiv auftritt

Wenn die Deformität während der ersten 2 bis 3 Jahre wieder auftritt, wird wieder mit einer Manipulation und Gipsbehandlung im wöchentlichen Rhythmus begonnen. Gelegentlich ist eine erneute Achillessehnenverlängerung notwendig. ln manchen Fällen kann es trotz korrekter Gips- und Schienenbehandlung nötig sein, eine kleinere Operation durchzuführen, wenn das Kind älter als 3 Jahre ist. Zur Vermeidung weiterer Rezidive wird dabei eine Sehne von der lnnenseite des Fußes auf die Mitte des Fußes verlagert (Tibialis-anterior-Transfer).

Der rigide Klumpfuß

Die Behandlungsergebnisse sind besser, wenn große operative Eingriffe gänzlich vermieden werden können. Dennoch haben 5-10% der Kinder, die mit einem Klumpfuß geboren werden, so rigide, kurze und plumpe Füße mit festen verkürzten Bändern, dass sich durch Manipulation und Gipsbehandlung nicht der gewünschte Behandlungserfolg einstellt. Diese Kinder müssen operiert werden, wenn durch die konservative Behandlung keine Besserung erzielt werden konnte.

Häufig gestellte Fragen?

Wie sieht die Zukunft von Kindern mit Klumpfüßen aus?

Kinder mit Klumpfüßen, werden nach erfolgreicher Ponseti-Behandlung wahrscheinlich einen ,,fast" normalen Fuß haben. Einige kleine Unterschiede können festgestellt werden. Der behandelte Fuß bleibt etwas kürzer als der normale Fuß und die Unterschenkelmuskulatur ist im Vergleich zurgesunden Seite verschmächtigt. Das Ausmaß dieser Unterschiede ist auch abhängig vom Schweregrad des Klumpfußes. Bisweilen findet man eine geringe Beinverkürzung auf der Klumpfußseite. Diese Unterschiede verursachen keine Probleme und werden vom Kind oft bis zum Jugendalter, in dem das Körperbild an Bedeutung stark zunimmt, nicht bemerkt.

Schuhe?

Behandlungsziel der Ponseti-Methode ist es lebenslang das Tragen normaler Konfektionsschuhe zu ermöglichen. Dies gelingt in den allermeisten Fällen.

Sport?

Untersuchungen an Patienten, die mit der beschriebenen Ponseti-Methode behandelt wurden, zeigen, dass Kinder und Erwachsene mit korrigierten Klumpfüßen sich wie alle anderen Menschen sportlich betätigen können. Es gibt viele gute Athleten mit korrigierten Klumpfüßen.

Ergänzende Physiotherapie?

Das Ponseti-Konzept stammt aus Amerika und ist inzwischen weltweit verbreitet. In den USA wurden bereits 1963 erste 10-Jahresergebnisse veröffentlicht. Typisch für die amerikanische Sichtweise kommt es ganz ohne Physiotherapie/Krankengymnastik aus. In Deutschland nutzen wir die Möglichkeit einer unterstützenden physiotherapeutischen Behandlung idealerweise im zweiten und dritten Lebensjahr, wenn das Tragen der Abduktionsschienen zur Nacht schwierig wird und eine gezielte Physiotherapie dazu beitragen kann aufwendigere Maßnahmen zu vermeiden.


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